geringe Absolventenquote Juristen in GreifswaldAntrag der Fraktion Die Linke: Juristennachwuchs in Mecklenburg- Vorpommern sicherstellen – für eine zukunftsfähige Justiz

Obwohl ein wiedereingeführter Studiengang Rechtswissenschaften in Rostock für die Universität Rostock und die Stadt Rostock wünschenswert wäre, denke ich, dass wir mit Bedacht und Effizienz vorgehen sollten und vor einer Einrichtung einer volljuristischen Fakultät Möglichkeiten der Optimierung in Greifswald ausloten müssen. Leider ist nicht alles, was wünschenswert ist, auch finanziell machbar.

 


Meine komplette Rede zum Antrag der Fraktion Die Linke „Juristennachwuchs in Mecklenburg-Vorpommern sicherstellen – für eine
zukunftsfähige Justiz“

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem Antrag fordern Sie die Wiedereinrichtung eines Studiengangs Rechtswissenschaften an der Universität Rostock.

Sie begründen dies mit einer großen Anzahl an Richtern und Staatsanwälten, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. 

Der Studiengang Rechtswissenschaften wurde 2008 an der Universität Rostock geschlossen und die Ausbildung der Juristen in diesem Land an der Universität Greifswald gebündelt. Im Gegenzug wurde von der Universität Greifswald die Lehrerausbildung an der Universität Rostock konzentriert. Dies geschah in finanziell angespannten Zeiten des Landes um die vorhandenen Strukturen zur Ausbildung effizienter zu nutzen.

Nach der im letzten Jahr veröffentlichten Studie von Prof. Radisch, der die Abbrecherquoten im Lehramt untersucht hat, wurde deutlich, dass die Anzahl der Absolventen im Verhältnis zu den Studienanfängern zu gering ist. Hier wurden Maßnahmen besprochen, wie diese Quote verbessert werden kann. Viele dieser Maßnahmen beschäftigen sich mit Optimierungen innerhalb der Universitäten.

Aktuell wird über die gerade beschriebenen Maßnahmen zur universitätsinternen Optimierung hinaus, diskutiert, an der Universität Greifswald wieder ein Lehramt für Grundschullehrer einzurichten, um den großen Bedarf an Grundschullehrern abfedern zu können. Wie sie wissen, müssen wir derzeit jedes Jahr hunderte Lehrer einstellen, um alle notwendigen Stellen zu besetzen.

Aufgrund des unterschiedlichen Bedarfes an Absolventen im Bereich der Lehrer und der Juristen sind diese beiden Situation nicht direkt miteinander vergleichbar und erfordern deshalb auch unterschiedliche Lösungen. Nur weil jetzt aufgrund einer dringenden Lage hinsichtlich der Lehrerausbildung in diesem Land der Studiengang Grundschulpädagogik in Greifswald wiedereröffnet werden soll, heißt das nicht dass alle Entscheidungen im Rahmen des Personalkonzepts des Landes zurückgenommen werden sollten und auch können.

Zu bedenken geben möchte ich auch im Vergleich zu anderen deutschen Ländern unserer Größe, dass die Ausstattung mit zwei Universitäten im Land eher ungewöhnlich ist bei nur 1,6 Millionen Einwohnern.

GreifswaldWesentlicher erscheint mir jedoch der Hinweis auf zu geringe Absolventenquoten der Juristen in Greifswald. Die Anzahl ist in der Tat nicht zufriedenstellend.

Ich halte es jedoch nicht für zweckmäßig, wenn man prozentual landesweit zu wenige Absolventen in einem Fachgebiet hat, einfach die Plätze für Studienanfänger zu erhöhen, was durch die Wiedereröffnung des Studiengangs der Rechtswissenschaften in Rostock der Fall wäre.

Dies löst nicht direkt das ursächliche Problem. Es erscheint mir sinnvoller wie bei der Lehramtsausbildung auch zunächst deutlich die Gründe für einen Abbruch des Studiums zu untersuchen und daraufhin zunächst Möglichkeiten zur Optimierung durch die Hochschule zu prüfen. Relevante Faktoren sind dabei: die Ressourcenverteilung innerhalb der Universitäten, die Betreuungsbedingungen, die Eignung der Studierenden für das Studium usw.

Bevor wir wieder doppelte Strukturen in diesem Land schaffen, erscheint es mir zielführender zu sein, zunächst die Ausbildung der Juristen an der Universität Greifswald zu optimieren. Die Absolventenquote ist hier nicht zufriedenstellend. Dieses Vorgehen dürfte deutlich kostengünstiger und somit effizienter sein, als die sofortige Einrichtung einer Volljuristischen Fakultät an der Universität Rostock.

Sicherlich wäre ein wiedereingeführter Studiengang Rechtswissenschaften in Rostock für die Universität Rostock und die Stadt Rostock wünschenswert, um durch eine Volljuristische Fakultät wieder mehr Studiengänge anbieten zu können und somit interessanter für eine breitere Schicht an Studienanfängern zu werden. 

Aber ich denke, dass wir in diesem Land und bei eine leider dünneren finanziellen Decke, mit Bedacht und Effizienz vorgehen sollten und vor einer Einrichtung einer Volljuristischen Fakultät Möglichkeiten der Optimierung in Greifswald ausloten müssen. Leider ist nicht alles, was wünschenswert ist, auch finanziell machbar. 

Wir lehnen den Antrag daher mit Bedauern ab.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Rede zum Thema „Juristennachwuchs in MV“
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